Italien will Motorradfahrern das Vorankommen im Stau deutlich erleichtern. Ein von der Regierung gebilligter Entwurf für die Reform der Straßenverkehrsordnung sieht vor, dass Autofahrer bei Stau einen Durchfahrtskorridor für Motorräder und Roller freihalten müssen. Unter bestimmten Voraussetzungen soll auch die Nutzung des Pannenstreifens auf Autobahnen erlaubt werden.
Wer mit dem Motorrad regelmäßig im italienischen Stadtverkehr unterwegs ist, kennt die Situation: Während Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, versuchen sich Motorräder und Roller vorsichtig zwischen den Fahrzeugkolonnen hindurchzubewegen.
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Künftig könnte dieses Vorgehen wesentlich klarer gesetzlich geregelt werden.
Der italienische Ministerrat hat am 13. Oktober 2026 einen Entwurf zur umfassenden Reform des Codice della Strada, der italienischen Straßenverkehrsordnung, gebilligt. Die geplanten Änderungen betreffen auch den Motorradverkehr und sehen erstmals konkrete Verpflichtungen für Autofahrer vor, Zweirädern bei Verkehrsstaus Platz zu machen.
Eine virtuelle Fahrspur für Motorräder und Roller
Im Mittelpunkt der geplanten Neuerungen steht die sogenannte corsia virtuale, eine virtuelle Fahrspur zwischen den Fahrzeugkolonnen.
Auf bestimmten mehrspurigen Stadtstraßen sollen Autofahrer bei stehendem oder sehr langsam fließendem Verkehr verpflichtet werden, einen Durchfahrtskorridor freizuhalten. Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen sollen sich dabei möglichst weit links einordnen, während Fahrzeuge auf dem rechten Fahrstreifen entsprechend nach rechts ausweichen.
Dadurch entsteht zwischen den Kolonnen ein freier Bereich, den Motorräder und Motorroller zum Weiterfahren nutzen können. Anders als bei einer baulich angelegten zusätzlichen Fahrspur handelt es sich um einen temporären Korridor, der ausschließlich durch die Positionierung der Fahrzeuge entsteht.
Motorräder sollen auch den Pannenstreifen nutzen dürfen
Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Autobahnen.
Bei Unfällen, Staus oder erheblichen Verkehrsverzögerungen sollen Motorradfahrer künftig unter bestimmten Voraussetzungen auf den Pannenstreifen ausweichen dürfen. Die geplante Freigabe ist allerdings an klare Bedingungen geknüpft: Motorräder dürfen sich dort nur mit niedriger Geschwindigkeit bewegen und müssen Rettungsfahrzeugen jederzeit die ungehinderte Durchfahrt ermöglichen.
Eine generelle Freigabe des Pannenstreifens für Motorräder ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Die Regelung soll unter anderem verhindern, dass Motorradfahrer bei längeren Staus übermäßig lange extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind.
Bis zu 320 Euro Strafe und zwei Führerscheinpunkte
Der Gesetzesentwurf sieht auch Sanktionen für Autofahrer vor, die den vorgeschriebenen Durchfahrtskorridor nicht freihalten.
Laut den bislang veröffentlichten Einzelheiten drohen Geldstrafen zwischen 80 und 320 Euro sowie der Abzug von zwei Punkten im italienischen Führerschein-Punktesystem. Damit würde das Freihalten eines Durchfahrtskorridors in den vorgesehenen Verkehrssituationen von einer freiwilligen Rücksichtnahme zu einer gesetzlichen Verpflichtung.
Was bedeutet das für Motorradfahrer aus Österreich?
Die geplanten Änderungen könnten auch für österreichische Motorradfahrer interessant werden, die regelmäßig nach Italien reisen.
Ob auf dem Weg in die Dolomiten, an die italienische Adriaküste oder durch größere Städte: Gerade während der Hauptreisezeit gehören Staus auf italienischen Straßen zum Alltag. Sollten die neuen Bestimmungen wie vorgesehen in Kraft treten, könnten Motorradfahrer von einer klareren Rechtslage beim Vorbeifahren an stehenden Fahrzeugkolonnen profitieren. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen den geplanten italienischen Regelungen und der österreichischen Rechtslage. Die neuen Bestimmungen würden ausschließlich in Italien gelten und nichts an den österreichischen Vorschriften ändern.
Noch nicht in Kraft
Trotz der Zustimmung der italienischen Regierung handelt es sich derzeit noch nicht um geltendes Recht.
Der Entwurf muss zunächst die weiteren Schritte des Gesetzgebungsverfahrens durchlaufen, darunter die Befassung der zuständigen parlamentarischen Ausschüsse. Erst danach kann die endgültige Fassung beschlossen werden und in Kraft treten. Bis dahin gelten weiterhin die bisherigen italienischen Verkehrsregeln.
Die geplante Reform könnte für Motorradfahrer einen wichtigen Fortschritt bringen: weniger Zeit im Stau, klarere gesetzliche Vorgaben und ein stärkeres Bewusstsein für die Bedürfnisse motorisierter Zweiräder im Straßenverkehr.
Ein Gesetz, das man sich auch in Österreich zum Vorbild nehmen könnte!