Jorge Martín gibt den WM-Kampf noch lange nicht auf. Nach seinem schweren Sturz beim MotoGP-Sprint auf Phillip Island konnte der Aprilia-Pilot das Krankenhaus verlassen und bereitet sich auf die Reise nach Malaysia vor. Während sein Team weiterhin auf einen Start in Sepang hofft, hält der legendäre Rennarzt Claudio Costa ein Comeback bereits am kommenden Wochenende für nahezu unmöglich.

Die Erleichterung bei Aprilia ist groß. Nach dem Sturz im Sprint zum Großen Preis von Australien hatten erste Untersuchungen einen Bruch der Speiche (Radius) sowie den Verdacht auf eine zusätzliche Verletzung der Elle (Ulna) ergeben. Weitere Untersuchungen in Melbourne brachten jedoch zumindest teilweise Entwarnung.

apriliaracing australiangp18 2026 saturday 04Foto: Aprilia Racing

Bestätigt wurde eine nicht verschobene Fraktur im unteren Bereich der rechten Speiche, nahe dem Handgelenk. Der Verdacht auf einen zusätzlichen Bruch bestätigte sich nicht. Eine Operation ist nach aktuellem Stand nicht erforderlich.

Martín konnte das Krankenhaus inzwischen verlassen. Statt zur weiteren Behandlung nach Spanien zurückzureisen, will der Spanier direkt nach Malaysia fliegen und seine Genesung dort fortsetzen.

Ob er beim nächsten Grand Prix tatsächlich auf seine Aprilia RS-GP steigen kann, ist allerdings völlig offen.

Aprilia gibt die Hoffnung auf Sepang nicht auf

Teammanager Paolo Bonora bestätigte, dass Aprilia gemeinsam mit Martín alles daransetzen werde, eine möglichst rasche Rückkehr auf die Rennstrecke zu ermöglichen.

„Wir werden definitiv darauf hinarbeiten. Jorge ist der Erste, der dieses Ziel erreichen möchte. Allerdings müssen wir die Meinung der Ärzte abwarten und seinen körperlichen Zustand von Tag zu Tag beurteilen. Im Moment sind wir recht optimistisch“, erklärte Bonora.

Etwas zurückhaltender äußerte sich Aprilia-Racing-Chef Massimo Rivola. Er sieht einen Rennstart in Malaysia als äußerst schwierig an. Schon die Anwesenheit des verletzten Spaniers beim Team in Sepang wäre aus seiner Sicht ein positives Zeichen.

Klar ist: Allein die Reise nach Malaysia bedeutet noch keine Startfreigabe. Entscheidend sind der Heilungsverlauf, die Belastbarkeit des rechten Handgelenks und die abschließende medizinische Untersuchung.

Claudio Costa: „In Katar könnte das Unmögliche möglich werden“

Deutlich skeptischer beurteilt der langjährige MotoGP-Rennarzt Claudio Costa die Situation.

Costa, der über Jahrzehnte zahlreiche verletzte Rennfahrer betreute, erinnert an Kevin Schwantz, der einst trotz eines gebrochenen linken Handgelenks Rennen bestritt und sogar gewinnen konnte.

Der entscheidende Unterschied: Martín hat sich die rechte Hand verletzt.

Auf einem MotoGP-Motorrad ist diese nicht nur für die Gasbetätigung zuständig, sondern auch für die Vorderbremse. Gerade beim extrem harten Anbremsen und den hohen körperlichen Belastungen moderner MotoGP-Maschinen stellt das eine erhebliche Herausforderung dar.

Einen Einsatz bereits in Malaysia hält Costa deshalb für nahezu ausgeschlossen.

„Mit einem gebrochenen rechten Handgelenk ist ein Start in Malaysia fast unmöglich, auch wenn er es versuchen könnte.“

Für das darauffolgende Rennwochenende in Katar sieht der erfahrene Mediziner hingegen etwas größere Chancen.

„In Katar könnte das Unmögliche möglich werden.“

Seine Einschätzung macht deutlich, wie schwierig die Situation ist. Selbst wenn Martín die Schmerzen ertragen könnte, muss sichergestellt sein, dass er das Motorrad unter Rennbedingungen vollständig und sicher kontrollieren kann.

Nur zehn Punkte Rückstand im WM-Kampf

Besonders bitter ist der Zeitpunkt der Verletzung.

Nach seinem Sieg im australischen Sprint hat Marc Márquez die Führung in der MotoGP-Weltmeisterschaft übernommen. Der Ducati-Pilot liegt nun zehn Punkte vor Martín, während Marco Bezzecchi bereits 50 Zähler Rückstand auf den Spitzenreiter hat.

Die wetterbedingte Absage des Hauptrennens auf Phillip Island verhinderte zumindest, dass Márquez seinen Vorsprung am Sonntag weiter ausbauen konnte.

Vier Rennwochenenden stehen noch aus. Zusätzlich sorgen Diskussionen über die Sicherheitslage rund um den geplanten Grand Prix von Katar für Unsicherheit im Saisonfinale.

Für Martín zählt damit möglicherweise jeder einzelne WM-Punkt. Ein Ausfall in Malaysia könnte seine Chancen auf den Titel entscheidend beeinträchtigen.

Gleichzeitig wäre eine zu frühe Rückkehr ein erhebliches Risiko. Das rechte Handgelenk muss beim Bremsen, Beschleunigen und bei schnellen Richtungswechseln enormen Kräften standhalten.

Der Titelkampf geht weiter – die Entscheidung liegt bei den Ärzten

Dass Martín trotz seiner Verletzung nach Malaysia reisen möchte, zeigt seinen Willen, bis zum Schluss um die Weltmeisterschaft zu kämpfen.

Doch zwischen dem Wunsch nach einem schnellen Comeback und der tatsächlichen Rennfähigkeit liegt eine große Hürde.

Aprilia bleibt vorsichtig optimistisch, Claudio Costa warnt vor überzogenen Erwartungen und Martín selbst dürfte alles daransetzen, möglichst schnell wieder auf seiner RS-GP zu sitzen.

Ob der Spanier schon in Sepang eine überraschende Rückkehr feiern kann oder seine Titelhoffnungen vorerst aus der Box verfolgen muss, werden die nächsten medizinischen Untersuchungen zeigen.

Eines steht fest: Der Kampf um die MotoGP-Weltmeisterschaft ist längst nicht entschieden.

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