Nach einer wirtschaftlich herausfordernden Phase gibt es klare Signale aus der KTM-Zentrale: CEO Gottfried Neumeister hat die Bedeutung des Produktionsstandorts Mattighofen bekräftigt und damit Gerüchten über eine vollständige Verlagerung der Produktion nach Indien widersprochen.
Im ersten Halbjahr 2026 setzte die Bajaj Mobility Group außerhalb Indiens 89.004 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und GASGAS ab. Im zweiten Quartal gelang dem Unternehmen zudem erstmals seit Abschluss der Sanierung wieder ein positives operatives Ergebnis (EBIT). Ein wichtiger Schritt für den österreichischen Motorradhersteller, der seit Ende 2024 eine schwere wirtschaftliche Krise durchlaufen hat.
KTM setzt weiterhin auf Österreich
Die vergangenen Monate waren für KTM von erheblichen finanziellen Schwierigkeiten geprägt. Ende 2024 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Im Zuge der anschließenden Sanierung kam es zu umfangreichen Umstrukturierungen und einem deutlichen Stellenabbau. Der langjährige Produktionspartner Bajaj Auto stellte schließlich die notwendigen finanziellen Mittel bereit und übernahm 2025 die Kontrolle über die damalige Pierer Mobility, die Muttergesellschaft von KTM.
Mit dem Einstieg des indischen Konzerns kamen auch Fragen über die Zukunft des österreichischen Produktionsstandorts auf. Gerüchte über eine mögliche Verlagerung der Produktion nach Indien sorgten für Verunsicherung. KTM-Chef Gottfried Neumeister widersprach diesen Spekulationen nun in einem Interview mit SPEEDWEEK.com.
„Es gibt ein klares Bekenntnis zu Österreich“, erklärte Gottfried Neumeister, CEO von KTM gegenüber SPEEDWEEK.com.
Neumeister verwies dabei auf die mehr als 440 Ingenieure, die für KTM hochwertige Produkte entwickeln. Auch die operative Führung soll weiterhin eigenständig arbeiten. Nach Angaben des KTM-Chefs hat Bajaj ihm ausdrücklich die Möglichkeit eingeräumt, sein Managementteam unabhängig zusammenzustellen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche KTM-Motorräder ausschließlich in Österreich gefertigt werden. Kleinere Modelle entstehen bereits in Indien, während bestimmte Mittelklassemodelle in China produziert werden. Mattighofen bleibt jedoch ein zentraler Standort für Entwicklung und Fertigung, insbesondere bei den Offroad-Modellen und leistungsstarken Motorrädern.
Bajaj musste vom Wert des Motorsports überzeugt werden
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Zusammenarbeit mit Bajaj Auto war die Zukunft des Motorsports. Der indische Konzern ist vor allem im Segment preisgünstiger Pendlerfahrzeuge tätig, in dem andere Kaufentscheidungen und Marktbedingungen gelten als bei KTM.
Wie Neumeister im Interview erklärte, waren mehrere Reisen nach Indien notwendig, um die Verantwortlichen vom strategischen Wert des Rennsports zu überzeugen. Die Fortsetzung des MotoGP-Engagements für weitere fünf Jahre wäre ohne die Unterstützung des neuen Eigentümers nicht möglich gewesen.
Gleichzeitig steht das Motorsportprogramm unter wirtschaftlichem Druck. Angesichts des Stellenabbaus und der hohen Kosten muss KTM nachweisen, dass die Investitionen in den Rennsport auch positive Auswirkungen auf den Motorradabsatz haben. Sportliche Erfolge sollen damit nicht nur das Markenimage stärken, sondern auch einen messbaren Beitrag zum Geschäft leisten.
Profitabilität hat Vorrang vor Wachstum
Die jüngsten Geschäftszahlen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Bajaj Mobility Group mit einem EBIT von 1,3 Millionen Euro wieder ein positives operatives Ergebnis. Für das gesamte erste Halbjahr blieb das EBIT allerdings noch negativ.
Neumeister sieht darin einen wichtigen Fortschritt, mahnt aber gleichzeitig zur Zurückhaltung. Ein einzelnes erfolgreiches Quartal reiche nicht aus, um von einer dauerhaft gesunden wirtschaftlichen Entwicklung sprechen zu können. Entscheidend sei nun, die erzielten Verbesserungen langfristig zu bestätigen.
Auch beim weiteren Wachstum verfolgt KTM einen vorsichtigen Kurs. Statt möglichst hohe Stückzahlen anzustreben, soll zunächst die nachhaltige Rentabilität des Unternehmens sichergestellt werden.
„Menge ist nicht alles, wir müssen zuerst profitabel werden, bevor wir das Unternehmen skalieren können“, betonte Gottfried Neumeister, CEO von KTM gegenüber SPEEDWEEK.com.
Der KTM-Chef zeigt sich dennoch zuversichtlich. Die neuen Modelle würden vom Markt gut angenommen, und trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds entwickle sich das Unternehmen nach seiner Einschätzung besser als mehrere europäische Wettbewerber.
Für KTM beginnt damit eine entscheidende Phase: Die finanzielle Stabilisierung muss fortgesetzt werden, während der Standort Österreich, die eigenständige Entwicklung und das Engagement im Motorsport wichtige Bestandteile der Unternehmensstrategie bleiben.
Quellen: SPEEDWEEK.com – Interview mit Gottfried Neumeister vom 8. Oktober 2026; Bajaj Mobility AG – Geschäftsergebnisse Q2/2026.
